Konstanzer Fasnet erfindet sich neu!


Bereits seit mehreren Jahren organisiert das Junge Theater Konstanz gemeinsam mit dem Konstanzer Schülerparlament eine "Hall Of Fame", bei der junge Talente die Chance bekommen, Bühnenluft zu schnuppern und allein, zu zweit oder in der Gruppe zu singen, tanzen, rappen oder Textbeiträge zu präsentieren.

Mit dem JUNGEN THEATER KONSTANZ und der Unterstützung von A2R:MEDIA und dem SÜDKURIER lud die Narrengesellschaft Niederburg nun am 29.01.2016, 19:00 Uhr zu einer "Hall of Fame – Fasnachtsedition" in die Spiegelhalle ein. Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren waren aufgerufen den Abend zu gestalten. Dabei waren der Fantasie keine Grenzen gesetzt, es sollte aber – getreu dem Motto – ein "närrischer" Beitrag sein...

Am vergangenen Freitag fand in der Konstanzer Spiegelhalle die "Hall of Fame Fasnachtsedition" statt ‐ mit überraschenden Bekenntnissen und einer Menge Spaß am Brauchtum.

"Schunkeln war gestern… heute zeigt ihr uns wie die Fasnacht geht!" Diesem Aufruf der Narrengesellschaft Niederburg, des Jungen Theaters Konstanz und des Konstanzer Schülerparlaments folgten insgesamt 10 junge Bühnenakteure im Alter von 14-22 Jahren sowie über 120 neugierige Gäste aller Altersklassen ‐ gespannt auf das, was dieser Abend für sie bereithalten sollte. Die Fasnacht auf der Bühne für junge Leute, und vor allem mit ihnen, attraktiver gestalten, mit althergebrachten Konventionen brechen und die Konstanzer Fasnacht durch eine andere Brille sehen. Das war der Anspruch, sowohl der Organisatoren als auch der Bühnenakteure ‐ und es gelang Ihnen meisterlich! Jede und jeder konnte seiner Meinung zur Fasnacht Ausdruck auf der Bühne verleihen, egal ob nachdenkliche Texte, Rap, Gesang oder auch eine klassische Bütt. Ob das der Beginn einer neuen Ära der Bühnenfasnacht war? Die Jugendlichen begeisterten auf jedem Fall mit Ihrem Umgang von spitzfindigem Witz, sowie charmanter Pointe und prosaischem Tiefgang.

Durch das insgesamt 2,5 stündige Programm führten die drei bezaubernden Moderatorinnen Christiana Gondorf (Narrengesellschaft Niederburg), Olivia Helmlinger (Junges Theater Konstanz) und Hilda Hetz (Konstanzer Schülerparlament) mit viel Witz und Leichtigkeit. Ein wiederkehrendes Element der Moderation war unter anderem die Frage an die Acts nach dem Ursprung des Namens "Schmotziger Dunschtig". So einfach die Frage für eingefleischte "Schunkel-Narren" wohl sein mag, so kreativ die Antworten des Abends, wie beispielsweise: "Ich glaube das heißt so, weil ab einer bestimmten Uhrzeit viele Konstanzer besoffen im Dreck liegen".

Diese kritische Haltung zum Schmotzigen Dunschtig fand sich auch im ersten Programmpunkt des Abends wieder: Kira Reiter formulierte, fast schon elegisch, ihre Gedanken zum Selbstverständnis der Narren und der Narretei. Sie hielt den Anwesenden in ihrem durch viel Wortwitz und Geistesreichtum bestechenden Poerty Slam harlekins-gleich den Spiegel vor Augen, indem sie die Janusköpfigkeit einiger zeitgenössischer Narren herausarbeitete. Es grenze an Heuchelei, so die Autorin, dass jemand, der das ganze Jahr engstirnig und beschränkt seine Wirklichkeit begreife, an einem Fasnachtszug vorne mit dabei sei, um jene (seine!) Verhaltensweisen pseudo-bewusst zu konterkarieren und närrisch anzuprangern. Sie schloss mit einer Adaption des Narrenspruchs "Narro-Narro Siebe, Siebe", indem sie dazu aufforderte, sich nicht nur an der Fasnacht als "Helden" zu verkleiden, sondern das Held-Sein beginnen solle, im Alltag zu leben. Lea Schütz nahm sich ein ähnliches Thema vor und lud die Zuhörer auf die Zugreise eines fiktiven Ichs ein. In geschliffenen Reimen nahm sie sich dem Kern der Konstanzer Fasnacht an, indem sie das "Ausbrechen aus gesellschaftlichen Konventionen" sowie das "Über-die-Stränge-Schlagen" am Beispiel eines "Hipsters" verdeutlichte: jene Personen, ihres Zeichens bewusst unangepasst mit "Stürmer und Dränger-Gen" erlegen sich selbst Grenzen ihres Tuns und Seins auf, so dass das Ergebnis oft spiessiger ist, als ihr eigener Feind: die Konvention.

Auch zeichnete sich die Fasnachtsedition der Hall of Fame durch viel Musik und Gesang aus: so sorgten die Bands "The Paddler" und "Beyond Headlines" für ausgezeichnete Stimmung und animierten das Publikum zu ausgelassenem Tanz und Mitsingen.
Yasin Amin (YasinMusic) zog das Publikum mit seinem Disstrack zum Thema Komasaufen in seinen Bann und regte zum Nachdenken an. Sein Appell an die Konstanzer Mäschgerle: "Feiert gemeinsam und friedlich und lasst Drogen und zu viel Alkohol keinen Platz. Das Credo: "Allen wohl und niemand weh!" ist aktueller denn je ‐ und dessen sollten sich die Mäschgerle immer bewusst sein".

Dass die Hall of Fame Fasnachtsedition auch spontan sein kann, bewies Christian Eismann, der sich in seiner Rolle als "Träumender Narr" spontan am Abend selbst dazu entschloss, das Publikum an seiner Vorfreude auf die Fasnacht teilhaben zu lassen. Auch spontan und vom Publikum stark umjubelt war die musikalische Freestyle-Fusion von "Beyond Headlines" und Yasin Amin sowie seinen Kollegen und Freuden der Rapper-Gruppe FTSU (Fuck The Shupt-Up!).

Geschlossen wurde das bunte und abwechslungsreiche Programm des Abends durch eine Performance der Fahnenschwinger der Niederburg, die in Lederhosen zu Andreas Gaballiers: "I sing a Liad für di" beim Publikum für stehende Ovationen sorgten. Shayan Heckmat brachte ein Stand-up Comedy-Programm auf die Bühne und Farah Wind bezauberte die Anwesenden mit selbst geschriebenen Songs und ihrer Gitarre.

Die "Hall of Fame Fasnachtsedition", so sind sich Publikum, Akteure und Organisatoren einig, muss in jedem Fall fortgeführt werden. Die nächste reguläre "Hall of Fame" findet am 08.04.2016 unter dem Motto "Eine Frühlingsnacht" in der Spiegelhalle statt. Junge Talente, die hier auf der Bühne stehen möchten, können sich unter junges-theater@konstanz.de anmelden.

Das SÜDKURIER-Interview mit Simon Schafheitle und Christiana Gondorf kannst du auf unserer Seite News & Presse herunterladen.

Einen weiteren Südkurierartikel vom 16.01.2016 findest du hier.

Eine Veranstaltung des Jungen Theaters, a2r:media und der Narrengesellschaft Niederburg. Unterstützt durch den SÜDKURIER und den Leo Club Konstanz.

 

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